Nazaj

Demodex-Blepharitis: Die unsichtbare Milbe, die sichtbare Beschwerden verursacht

214 min30. 06. 2026

negaAugenlider

In meiner Ordination begegne ich häufig Menschen, die seit Jahren unter denselben Beschwerden leiden. Die Augen sind gerötet, die Lidränder brennen oder jucken, morgens sind die Wimpern verklebt. Augentropfen gegen trockene Augen helfen nur vorübergehend danach kehren die Beschwerden zurück. Die Ursache überrascht viele: An den Wimpernwurzeln lebt eine mikroskopisch kleine Milbe, die mit bloßem Auge nicht sichtbar ist. Sie heißt Demodex. Bei den meisten Menschen verursacht sie keine Beschwerden solange sie sich nicht übermäßig vermehrt.

Die unsichtbare Milbe auf unserer Haut

Demodex ist eine Gattung mikroskopisch kleiner Milben, die zur normalen Hautflora Erwachsener gehört. Sie sind zwischen 0,1 und 0,4 Millimeter groß und daher ohne Mikroskop nicht sichtbar. Sie leben in Haarfollikeln und Talgdrüsen am ganzen Körper, bevorzugen jedoch besonders die Augenlider.

An den Wimpern kommen vor allem zwei Arten vor. Demodex folliculorum lebt in den Wimpernfollikeln und ernährt sich von abgestorbenen Hautzellen. Demodex brevis ist etwas kleiner, dringt jedoch tiefer in die Meibom-Drüsen ein, die den ölhaltigen Bestandteil des Tränenfilms produzieren.

Das Vorhandensein dieser Milben ist an sich keine Erkrankung. Mit zunehmendem Alter steigt ihre Anzahl, und bei Menschen über 70 Jahren lassen sie sich nahezu immer nachweisen. Beschwerden entstehen erst dann, wenn sie sich übermäßig vermehren. Begünstigt wird dies unter anderem durch Rosazea, Diabetes mellitus, ein geschwächtes Immunsystem und bestimmte chronische Hauterkrankungen.

Nimmt ihre Anzahl zu, reagiert der Körper mit einer Entzündung. Dann sprechen wir von einer Demodex-Blepharitis einer chronischen Lidrandentzündung, die durch diesen unsichtbaren Bewohner unserer Haut verursacht wird.

Wie eine so kleine Milbe große Beschwerden verursachen kann

Vermehrt sich Demodex übermäßig, kann sie auf mehreren Ebenen Schaden anrichten. Sie reizt und erweitert mechanisch die Haarfollikel, wodurch das Wachstum der Wimpern und die Funktion der Liddrüsen beeinträchtigt werden können. Gleichzeitig trägt sie Bakterien und andere Mikroorganismen auf ihrer Oberfläche, die Entzündungen zusätzlich fördern.

Der Körper erkennt ihre Überreste und Stoffwechselprodukte als Fremdstoffe. Dadurch entsteht eine chronische Entzündungsreaktion, die sich ohne gezielte Behandlung nur schwer beruhigen lässt.

Besonders betroffen sind die Meibom-Drüsen. Demodex brevis besiedelt diese direkt, während ihre Stoffwechselprodukte die Ausführungsgänge verstopfen können. Die Folge sind eine verminderte Qualität des Tränenfilms, eine schnellere Verdunstung der Tränen und Beschwerden eines trockenen Auges.

Genau deshalb bleibt die Demodex-Blepharitis häufig unerkannt. Die Symptome ähneln vielen anderen Augenerkrankungen, während die eigentliche Ursache tief in den Lidern verborgen bleibt. Ähnliches gilt auch für andere Störungen des Tränenfilms, bei denen die häufigste Ursache trockener Augen eine Meibom-Drüsen-Dysfunktion ist.

Zylindrische Schuppen führen zur Diagnose

Zu den häufigsten Beschwerden gehören gerötete Lidränder, Brennen, Juckreiz, ein Fremdkörpergefühl und morgens verklebte Wimpern. Die Augen fühlen sich müde und gereizt an. Da sich die Beschwerden langsam entwickeln, werden sie häufig auf Bildschirmarbeit, Müdigkeit oder das Älterwerden zurückgeführt.

Bei der Untersuchung der Lider achte ich zunächst auf sogenannte zylindrische Schuppen („Collarettes“) an den Wimpernwurzeln. Dabei handelt es sich um kleine wachsartige Ablagerungen, die durch die Milben und ihre Stoffwechselprodukte entstehen.

Diese Ablagerungen gelten als nahezu spezifisches Zeichen einer Demodex-Blepharitis und sind ein sehr zuverlässiger Hinweis auf die Erkrankung. Da sich die Beschwerden häufig mit denen eines trockenen Auges oder einer allergischen Lidrandentzündung überschneiden, ist eine sorgfältige augenärztliche Untersuchung unverzichtbar.

Von der Lidrandhygiene bis zu modernen Lichttherapien

Die Grundlage der Behandlung ist eine regelmäßige und sorgfältige Lidrandhygiene. Das sanfte Reinigen der Lidränder ein- bis zweimal täglich reduziert die Anzahl der Milben und entfernt die charakteristischen Ablagerungen.

Zur Verfügung stehen außerdem spezielle Präparate mit Teebaumextrakt beziehungsweise dem Wirkstoff Terpinen-4-ol, der gegen Demodex wirksam ist. Ein Cochrane-Review aus dem Jahr 2020 zeigt zwar, dass die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit dieser Präparate noch nicht vollständig eindeutig ist, dennoch bleibt die Lidrandhygiene der wichtigste Bestandteil der Behandlung.

Reicht dies nicht aus, ergänze ich die Therapie durch moderne Verfahren wie Intense Pulsed Light (IPL) und Photobiomodulation.

IPL arbeitet mit kurzen Lichtimpulsen, die Entzündungen reduzieren, die Funktion der Meibom-Drüsen verbessern und die Anzahl der Milben verringern können. Die Photobiomodulation nutzt dagegen niedrigenergetisches Licht, um Entzündungsprozesse zu beruhigen.

Eine chronische Erkrankung, die sich gut kontrollieren lässt

Die Demodex-Blepharitis ist eine chronische Erkrankung. Ziel der Behandlung ist nicht die vollständige Beseitigung der Milben, da sie zur natürlichen Hautflora gehören. Ziel ist vielmehr, ihre Anzahl auf ein Niveau zu reduzieren, bei dem sie keine Beschwerden mehr verursachen.

Die Besserung erfolgt schrittweise. Juckreiz, Brennen und Rötungen gehen häufig bereits in den ersten Wochen konsequenter Lidrandhygiene zurück. Bis sich die Entzündung vollständig beruhigt, können jedoch mehrere Monate vergehen.

Deshalb wird die Lidrandhygiene häufig zu einem festen Bestandteil der täglichen Routine insbesondere bei Menschen mit Rosazea, Diabetes mellitus oder wiederkehrenden Beschwerden. Die Demodex-Blepharitis ist deutlich häufiger, als viele vermuten. Die gute Nachricht ist jedoch, dass wir sie heute zuverlässig erkennen und erfolgreich behandeln können. Bei rechtzeitiger Therapie hinterlässt sie in der Regel keine dauerhaften Folgen für das Sehvermögen oder die Augengesundheit.

Häufige Fragen

Wie erkennt man eine Demodex-Blepharitis?

Wie läuft die Untersuchung bei der Augenärztin oder beim Augenarzt ab?

Wie pflegt man die Augenlider richtig?

Welche Befunde zeigen bei der Untersuchung, dass ein funktionelles Problem vorliegt?

Wie lange dauert die Behandlung?

Kann eine Demodex-Blepharitis wieder auftreten?

Kann eine Demodex-Blepharitis die Wimpern beeinträchtigen?