Nazaj

Glaskörperblutung: Wann sie von selbst verschwindet und wann Handlungsbedarf besteht

Igor Šivec Trampuž, dr. med.

Igor Šivec Trampuž, dr. med.
Fachärzt für Augenheilkunde

1526-7 min13. 05. 2026

Glaskörper

Eine Glaskörperblutung klärt sich oft von selbst, kann je nach Ursache jedoch das Sehvermögen gefährden. Wann eine Untersuchung notwendig ist und wann dringend behandelt werden muss.

Patientinnen und Patienten schildern häufig eine sehr ähnliche Situation. Mitten am Tag, beim Autofahren oder Arbeiten am Computer, manchmal bereits beim morgendlichen Aufwachen, erscheinen plötzlich Fäden, Punkte oder feine Spinnweben vor dem Auge. Das Sehen wird verschwommen, das Auge schmerzt nicht und der erste Gedanke ist oft, dass diese „Mouches volantes“ von selbst verschwinden werden. Wenn dies im Laufe des Tages nicht geschieht, entsteht Besorgnis.

So beginnt häufig eine Glaskörperblutung. Das Blut im Auge wird in vielen Fällen nach und nach von selbst abgebaut, doch die eigentliche Gefahr ist meist nicht das Blut selbst. Entscheidend ist vielmehr die Frage, warum die Blutung entstanden ist. Davon, wie rasch die Ursache erkannt wird, hängt oft ab, ob sich das Sehvermögen vollständig wiederherstellt.

Wie entsteht eine Glaskörperblutung

Das Innere des Auges ist mit einer gelartigen transparenten Substanz gefüllt, dem sogenannten Glaskörper. Seine Aufgabe besteht darin, das Licht ungehindert von der Linse zur Netzhaut weiterzuleiten. Die Netzhaut ist ein dünnes Nervengewebe am Augenhintergrund, das Bilder wahrnimmt und an das Gehirn weiterleitet.

Im Glaskörper selbst befinden sich keine Blutgefäße. Diese verlaufen jedoch auf und in den Schichten der Netzhaut. Wenn eines dieser Gefäße reißt, tritt Blut in den Glaskörper ein. Fachsprachlich wird dies als Hämophthalmus bezeichnet.

Ein Gefäß kann durch krankhafte Veränderungen der Gefäßwand reißen, etwa bei Diabetes mellitus. Eine Blutung kann aber auch durch mechanische Zugkräfte bei einer hinteren Glaskörperabhebung oder durch fortgeschrittene Netzhauterkrankungen entstehen, darunter auch die altersbedingte Makuladegeneration.

Gelangt Blut in den Glaskörper, verteilt es sich darin wie Rauch. Dadurch wird das Sehen verschwommen. Betroffene bemerken häufig graue oder rötliche Schatten, kleine schwebende Fäden, Spinnweben oder dunklere Flecken. Schmerzen treten in der Regel nicht auf, da der Glaskörper keine Schmerzrezeptoren besitzt. Der Körper sendet daher kein typisches Warnsignal aus, das uns bei anderen Erkrankungen rasch zur Ärztin oder zum Arzt führt. Gerade das Fehlen von Schmerzen kann tückisch sein.

Warum eine schmerzlose Sehverschlechterung kein gutes Zeichen ist

Manche Betroffene vermuten bereits selbst eine Blutung, weil sich das Sehvermögen trotz Ruhe nicht verbessert. Andere befürchten eine schwerwiegendere Erkrankung, etwa einen Tumor. Tatsächlich ist eine Glaskörperblutung selten ein isoliertes Ereignis. Meist ist sie die Folge eines von zwei Prozessen.

Es kann sich um einen weniger gefährlichen Riss eines kleinen Gefäßes handeln, den der Körper nach und nach verschließt. Die Blutung kann jedoch auch ein Warnsignal dafür sein, dass im Hintergrund etwas Ernsteres geschieht. Bei Menschen über fünfzig beginnt sich der Glaskörper häufig von der Netzhaut zu lösen. Dies bezeichnet man als hintere Glaskörperabhebung. Dabei kann ein kleines Gefäß reißen und Blut in den Glaskörper austreten. Problematisch ist, dass durch denselben Mechanismus auch die Netzhaut verletzt werden kann.

Bei Patientinnen und Patienten, die wegen einer Blutung im Zusammenhang mit einer akuten Glaskörperabhebung untersucht werden, findet sich in sechs bis sieben von zehn Fällen ein Netzhautriss. Auch bei Betroffenen ohne Blutung ist das plötzliche Auftreten zahlreicher neuer Trübungen in etwa einem von zehn Fällen mit einem Netzhautriss verbunden.

Ein Netzhautriss ist keineswegs harmlos. Durch ihn kann Flüssigkeit unter die Netzhaut eindringen und diese nach und nach anheben. So entsteht eine Netzhautablösung einer der dringendsten Notfälle in der Augenheilkunde. Das Zeitfenster, in dem ein Netzhautriss mittels Laser behandelt und schwerwiegende Komplikationen verhindert werden können, wird in Tagen gemessen. Ist die Netzhaut bereits abgelöst, ist eine operative Behandlung erforderlich und zwar möglichst rasch.

Die häufigsten Ursachen und wer besonders gefährdet ist

Die Ursachen einer Glaskörperblutung sind zwar begrenzt, jedoch sehr unterschiedlich. Am häufigsten entsteht sie durch Blutungen aus fragilen neugebildeten Gefäßen, die dort entstehen, wo die Netzhaut schlechter durchblutet ist. Dies tritt besonders häufig bei Diabetes mellitus auf.

Langjährig erhöhte Blutzuckerwerte schädigen die Gefäße der Netzhaut. Das Auge versucht den Sauerstoffmangel durch die Bildung neuer Gefäße auszugleichen, diese sind jedoch instabil und reißen leicht. Daher haben Menschen mit Diabetes ein deutlich höheres Risiko für eine Glaskörperblutung als die Allgemeinbevölkerung. In Slowenien sind mehr als 150.000 Personen mit Diabetes registriert. Besonders gefährdet sind jene, deren Erkrankung schlecht eingestellt ist oder bereits seit vielen Jahren beziehungsweise Jahrzehnten besteht. In dieser Gruppe treten auch wiederholte Blutungen häufiger auf.

Ein weiterer häufiger Auslöser ist das Reißen eines normalen Gefäßes bei hinterer Glaskörperabhebung. Eine dritte, seltenere Ursache ist das Eindringen von Blut aus tieferen Netzhautschichten, beispielsweise bei altersbedingter Makuladegeneration. Weitere mögliche Ursachen sind Verschlüsse von Netzhautgefäßen, Aneurysmen der Netzhautgefäße, Augenverletzungen, intrakranielle Blutungen und in seltenen Fällen Tumoren.

Neben Menschen mit Diabetes haben auch Personen mit hoher Kurzsichtigkeit ein erhöhtes Risiko. Bei ihnen ist die Netzhaut dünner und anfälliger für Risse. Besondere Aufmerksamkeit ist außerdem nach Augenverletzungen, Augenoperationen sowie bei bekannten Gefäß- oder Bluterkrankungen erforderlich.

Für alle gilt dieselbe Regel: Das plötzliche Auftreten zahlreicher neuer Trübungen oder ein plötzlicher Rückgang der Sehschärfe sollte immer augenärztlich abgeklärt werden.

Was die Untersuchung zeigt und wie die Behandlung abläuft

Die augenärztliche Untersuchung ist für die meisten Betroffenen beruhigend, weil rasch festgestellt werden kann, ob die Netzhaut gefährdet ist. Zunächst wird die Pupille mit Tropfen erweitert, anschließend untersucht die Augenärztin oder der Augenarzt den Augenhintergrund mit einem speziellen Mikroskop.

Ist die Blutung so dicht, dass die Netzhaut nicht ausreichend beurteilt werden kann, folgt eine Ultraschalluntersuchung des Auges. Diese zeigt, ob die Netzhaut eingerissen oder bereits abgelöst ist und ist daher entscheidend für die Wahl der weiteren Behandlung.

Wird festgestellt, dass keine Netzhautablösung oder kein Netzhautriss vorliegt, kann die Patientin oder der Patient zunächst beruhigt werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Blut im Auge von selbst abbaut und sich das Sehvermögen ohne Operation sowie ohne bleibende Schäden erholt, ist hoch. Dennoch ist in den ersten beiden Monaten weiterhin Vorsicht geboten. In diesem Zeitraum kann ein Netzhautriss entstehen, der zu einer Netzhautablösung führen könnte. Deshalb sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen in dieser Zeit besonders wichtig. Das Blut im Glaskörper wird vom Körper selbstständig abgebaut, allerdings langsam. Bei den meisten Betroffenen bessert sich das Sehvermögen innerhalb von Wochen oder Monaten ohne chirurgischen Eingriff.

Bei Menschen mit Diabetes, bei denen die Blutung häufig von krankhaft veränderten neugebildeten Gefäßen ausgeht, sind Injektionen von Medikamenten ins Auge oft sehr wirksam. Damit kann das Austreten von Flüssigkeit gestoppt und das Wachstum abnormaler Gefäße reduziert werden. Klinische Studien zeigen, dass sich durch eine solche Behandlung etwa zwei Drittel der Patientinnen und Patienten eine Operation ersparen können. Reichen Injektionen nicht aus oder liegt ein Netzhautriss, eine Netzhautablösung oder eine Blutung unter der Netzhaut vor, ist eine Vitrektomie notwendig. Dabei werden Blut und Glaskörper operativ entfernt. Der Eingriff gilt als Routineoperation, dauert in der Regel etwa eine Stunde und wird meist in Lokalanästhesie durchgeführt.

Die Wahl der Behandlung erfolgt immer individuell. Sie richtet sich nach dem Untersuchungsbefund, der Ultraschalluntersuchung, der Ursache der Blutung und dem allgemeinen Gesundheitszustand der Patientin oder des Patienten.

Symptome, die nicht bis morgen warten sollten

Die größte Gefahr einer Glaskörperblutung ist nicht die Blutung selbst, sondern ihre Ursache, die oft erst bei der Untersuchung erkannt wird. Deshalb gibt es Symptome, bei denen nicht abgewartet werden sollte. Ein plötzliches Auftreten zahlreicher neuer Trübungen vor dem Auge, die das Sehen verschlechtern, sollte noch am selben Tag oder spätestens innerhalb weniger Tage untersucht werden. Dasselbe gilt für kurze Lichtblitze am Rand des Gesichtsfeldes, die häufig in der Dämmerung stärker wahrgenommen werden.

Achten Sie auch auf einen plötzlichen Rückgang der Sehschärfe auf einem Auge, der sich nicht innerhalb kurzer Zeit bessert. Das deutlichste Warnsignal ist jedoch ein dunkler Vorhang, der sich seitlich über einen Teil oder sogar das gesamte Gesichtsfeld legt und sich innerhalb weniger Stunden nicht zurückzieht. Dies bedeutet häufig, dass bereits eine Netzhautablösung im Gange ist. In diesem Fall darf die Untersuchung keinesfalls bis zum nächsten Tag verschoben werden.

Eine Glaskörperblutung ist nicht selten und endet in vielen Fällen gut. Der Ausgang hängt jedoch nicht davon ab, was Betroffene selbst zu Hause tun können, sondern davon, was bei der Untersuchung festgestellt wird und wie rasch gehandelt werden kann. Der beste Zeitpunkt für eine Untersuchung ist am selben Tag, an dem die Symptome auftreten spätestens jedoch innerhalb weniger Tage.

Häufig gestellte Fragen

Wie erkenne ich, ob Trübungen vor dem Auge harmlos oder gefährlich sind?

Kann eine Glaskörperblutung erneut auftreten?

Darf ich bei einer Glaskörperblutung Sport treiben oder schwere Lasten heben?

Erhöhen blutverdünnende Medikamente das Risiko einer Glaskörperblutung?

Können Augentropfen oder andere Medikamente den Abbau des Blutes im Glaskörper beschleunigen?

Wie häufig sind Kontrollen nach einer Glaskörperblutung notwendig?

Erholt sich das Sehvermögen nach einer Glaskörperblutung vollständig?