Kleinere Verletzungen der Augenoberfläche sind sehr häufig. Schnell stößt man sich ins Auge, schneidet sich an einem Blatt Papier oder wird von einem kleinen Kind mit dem Fingernagel gekratzt. Solche Verletzungen sind nicht gefährlich, können aber einige Tage lang sehr schmerzhaft sein und heilen in der Regel ohne Folgen für das Sehvermögen ab. Bei einem Teil der Betroffenen entwickelt sich aus einer zunächst harmlosen Verletzung jedoch ein Problem, das sich über Monate oder sogar Jahre hinweg wiederholt. Gerade diese Menschen kommen häufig in meine Ordination, weil sie immer wieder von denselben Schmerzen geweckt werden.
Warum ein bereits verheilter Kratzer am Auge erneut Schmerzen verursacht
Menschen, die vor einiger Zeit eine Verletzung der Augenoberfläche erlitten haben, berichten erstaunlich ähnliche Beschwerden. Anfälle mit stechenden Schmerzen, einem schneidenden Gefühl, Rötung und starkem Tränenfluss treten meist unmittelbar nach dem Aufwachen auf und dauern mehrere Stunden oder sogar Tage an. Zwischen den Anfällen wirkt das Auge völlig gesund, sodass viele die Beschwerden zunächst nicht mit der früheren Verletzung in Verbindung bringen.
Fachsprachlich nennen wir diesen Zustand rezidivierende Hornhauterosion. Die oberflächliche Schicht der Hornhaut, das Epithel, haftet während der Wundheilung nicht ausreichend fest an den darunterliegenden Schichten. Die Verbindung bleibt instabil. Während des Schlafs haftet das Augenlid leicht an dieser empfindlichen Oberfläche. Beim morgendlichen Öffnen der Augen kann das Epithel erneut einreißen. Jedes Mal entsteht eine kleine, aber äußerst schmerzhafte Wunde. Gerade diese wiederkehrenden Verletzungen sind der Kern des Problems und der Grund, warum Augentropfen allein häufig nicht ausreichen.
Die Behandlung beginnt immer mit den schonendsten
Maßnahmen Ich beginne die Behandlung niemals mit dem Laser. Zunächst setze ich auf schonende, konservative Maßnahmen, die der Hornhaut Zeit und die richtigen Voraussetzungen geben, sich wieder stabil mit den tieferen Schichten zu verbinden. Ich empfehle die regelmäßige Anwendung befeuchtender Augentropfen, eines Gels oder einer Salbe und schütze das Auge bei Bedarf vorübergehend mit einer therapeutischen Kontaktlinse. Wichtig ist außerdem, die Augen morgens langsam und vorsichtig zu öffnen, denn gerade zu diesem Zeitpunkt löst sich das Epithel am leichtesten.
Reichen diese Maßnahmen nicht aus, stehen weitere Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, über die wir bereits berichtet haben: die Therapie mit autologem Serum, die mechanische Entfernung des instabilen Epithels sowie die Technik kleiner Einstiche, die eine festere Verankerung fördern. Erst wenn die Beschwerden trotz dieser Maßnahmen hartnäckig wiederkehren und den Alltag erheblich beeinträchtigen, sprechen wir über eine Lasertherapie. In solchen Fällen ist sie meine bevorzugte Behandlungsoption.
Wie funktioniert die PTK-Lasertherapie?
PTK steht für phototherapeutische Keratektomie. Bei diesem Lasereingriff entferne ich die unregelmäßige und locker haftende oberflächliche Hornhautschicht und glätte gleichzeitig mikroskopisch kleine Unebenheiten der darunterliegenden Schicht. Dadurch entsteht eine gleichmäßige Oberfläche, auf der sich das neu gebildete Epithel dauerhaft und fest verankern kann.
Die Wirkung des Lasers bleibt äußerst oberflächlich. Bei der Behandlung entferne ich in der Regel weniger als zehn Mikrometer Gewebe eine Präzision, die mit manuellen Techniken nicht in gleicher Weise erreicht werden kann.
Der Eingriff ist kurz und schmerzfrei, da das Auge zuvor mit betäubenden Augentropfen örtlich betäubt wird. Der Laser arbeitet nur wenige Sekunden, der gesamte Eingriff dauert etwa 15 Minuten. Anschließend schütze ich das Auge für einige Tage mit einer therapeutischen Kontaktlinse. In den ersten beiden Tagen, bis sich das Epithel vollständig erneuert hat, können Lichtempfindlichkeit, mäßige Schmerzen und verstärkter Tränenfluss auftreten. Das Sehvermögen verbessert sich innerhalb etwa einer Woche und stabilisiert sich nach einigen weiteren Wochen vollständig.
Ich empfehle diese Therapie, weil sie schonend und gleichzeitig sehr zuverlässig ist. Der Eingriff ist kurz, und der Laser arbeitet so präzise, dass das umliegende Gewebe geschont wird. Die Ergebnisse sind ausgezeichnet: Bei mehr als 90 % der Betroffenen erreichen wir eine dauerhafte Linderung der Beschwerden und verhindern erneute Erosionen. Sollte es später dennoch erforderlich sein, kann der Eingriff problemlos wiederholt werden.
Wem kann der Eingriff helfen?
Die Lasertherapie empfehle ich vor allem Menschen, bei denen die beschriebenen Beschwerden nach einer Augenverletzung über Monate bestehen bleiben und die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Wenn wiederkehrende Schmerzen den Schlaf stören und Arbeit, Autofahren oder den Alltag belasten, gibt es keinen Grund, eine wirksame Behandlung weiter hinauszuzögern.
Der Eingriff ist jedoch nicht ausschließlich für rezidivierende Hornhauterosionen geeignet. Ich setze ihn auch bei anderen Erkrankungen der Augenoberfläche ein, beispielsweise bei bestimmten Hornhautdystrophien. In diesen Fällen kann dieselbe Therapie Schmerzen lindern, das Sehvermögen stabilisieren und die Sehschärfe verbessern. Welche Behandlung im Einzelfall die richtige ist, lässt sich jedoch erst nach einer gründlichen Untersuchung der Augenoberfläche beurteilen.
Eine kleinere Augenverletzung heilt bei den meisten Menschen folgenlos ab. Bei manchen Betroffenen bleibt jedoch eine instabile Hornhautoberfläche zurück, die immer wieder verletzt wird. Wenn Schmerzen zum Alltag gehören, gibt es keinen Grund zu warten: Es gibt eine Behandlung, die die Ursache des Problems gezielt angeht. Bei anhaltenden Beschwerden sollte man nicht selbst Vermutungen anstellen, sondern das Gespräch mit einer Augenärztin oder einem Augenarzt suchen.
