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Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine chirurgische Korrektur der Augenlider?

Jasna Perković, dr. med.

Jasna Perković, dr. med.
Fachärztin für Augenheilkunde

543-4 min13. 02. 2026

vor dem EingriffAugenlider

Erschlaffte Haut an den Augenlidern ist eine jener Veränderungen, die sich langsam und fast unbemerkt entwickeln. Die meisten meiner Patientinnen und Patienten berichten mir, dass sie lange das Gefühl hatten, einfach nur müde zu sein. Doch irgendwann bemerken sie, dass sich der Blick verändert. Die Augen wirken weniger offen, das Gesicht erscheint trauriger, oft auch älter, als sie sich selbst fühlen. Dann stellt sich häufig die Frage: Ist es schon der richtige Zeitpunkt für eine Lidoperation?

Überschüssige Haut an den Augenlidern als Teil des natürlichen Alterungsprozesses

Die Haut rund um die Augen gehört zu den dünnsten am gesamten Körper und zeigt daher besonders früh Zeichen der Hautalterung. Mit den Jahren verliert sie an Elastizität, zudem kann sich das Fettgewebe verändern oder verlagern. In der Praxis sehe ich häufig, wie unterschiedlich sich das äußert bei manchen bereits in den frühen Vierzigern, bei anderen erst deutlich später.

Wichtig ist zu betonen, dass erschlaffte Haut an den Augenlidern keine Krankheit ist. Es handelt sich um einen natürlichen Prozess, der von genetischen Faktoren, dem Lebensstil und auch von der Mimik beeinflusst wird. Viele sind überrascht, wenn ich erkläre, dass sie eine ähnliche Lidform wie ihre Eltern oder Großeltern haben nur ist ihnen das zuvor nie bewusst aufgefallen.

Wenn die Veränderung nicht mehr nur ästhetisch ist

Zu Beginn geht es meist vor allem um das Aussehen. Patientinnen und Patienten erzählen mir, dass sie von ihrem Umfeld gefragt werden, ob sie müde seien, obwohl sie sich eigentlich gut fühlen. Die Augen wirken weniger offen, das Gesicht ernster. Mit der Zeit können jedoch auch funktionelle Beschwerden auftreten. In meiner täglichen Praxis sehe ich häufig Menschen, die unbewusst die Augenbrauen anheben, um ihr Sichtfeld zu erweitern. Das kann zu Spannungen in der Stirn, zu Kopfschmerzen oder zu einem Schweregefühl rund um die Augen führen besonders gegen Ende des Tages. Manche bemerken auch, dass sie beim Lesen oder Autofahren den Kopf leicht nach hinten neigen müssen. In diesem Stadium steht der ästhetische Aspekt oft nicht mehr im Vordergrund, wichtiger werden Komfort und Lebensqualität im Alltag.

Der richtige Zeitpunkt ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden

Einer der häufigsten Irrtümer ist die Annahme, es gebe eine „richtige Altersgrenze“ für eine Lidkorrektur. In Wahrheit hängt die Entscheidung viel stärker vom Zustand der Lidhaut und vom persönlichen Empfinden ab als von einer Zahl im Ausweis. Ich betreue Patientinnen und Patienten, die bereits im mittleren Lebensalter über einen Eingriff nachdenken, weil sie die Lider bei der Arbeit oder beim Sehen stark beeinträchtigen. Gleichzeitig gibt es auch jene, die erst später kommen und sagen: „Jetzt merke ich zum ersten Mal, dass mich das wirklich stört.“ Der richtige Zeitpunkt ist dann gekommen, wenn die Veränderung den Alltag beeinflusst sei es optisch oder funktionell.

Das Beratungsgespräch als erster und wichtigster Schritt

Vor einer Entscheidung ist ein fachärztliches Beratungsgespräch entscheidend. Dieses dient nicht dazu, jemanden zu einem Eingriff zu überreden, sondern dazu, gemeinsam die Situation und die Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Häufig kommen Patientinnen und Patienten mit bestimmten Erwartungen, und erst im Gespräch klären wir, was sinnvoll ist und was nicht. Manchmal zeigt sich dabei auch, dass der richtige Zeitpunkt für einen Eingriff noch gar nicht gekommen ist. Aus Erfahrung weiß ich, dass ein offenes und ehrliches Gespräch mit einer Spezialistin oder einem Spezialisten vielen hilft, Zweifel zu klären und Ängste abzubauen. Manche entscheiden sich rasch, andere nehmen sich bewusst Zeit beides ist völlig in Ordnung.

Eine Entscheidung, die immer persönlich ist

Die chirurgische Korrektur der Augenlider ist keine Notwendigkeit, sondern eine sehr persönliche Entscheidung. Manche wünschen sich einen offeneren und frischeren Blick, andere vor allem ein besseres Sichtfeld, wieder andere eine Kombination aus beidem. Wichtig ist, dass die Entscheidung aus dem eigenen Empfinden heraus getroffen wird nicht aufgrund von Vergleichen mit anderen oder äußeren Erwartungen.

Sehr oft höre ich den Satz: „Ich fühle mich anders, als ich aussehe.“ Dann kann es sinnvoll sein, sich über die Möglichkeiten zu informieren und den nächsten Schritt gut überlegt zu wählen.