Nazaj

Ein Patient, zwei Augenerkrankungen und eine unerwartete Entscheidung

mag. Kristina Mikek, dr. med.

mag. Kristina Mikek, dr. med.
Fachärztin für Augenheilkunde

3793-4 min17. 02. 2026

LaserGrauer Starsmile

Laserbehandlungen zur Dioptriekorrektur und Grauer-Star-Operationen gehören meist nicht zur selben Geschichte. Erstere richten sich an Menschen, die ihre Fehlsichtigkeit stört und die sich ein freieres Sehen ohne Brille wünschen. Letztere helfen Patient:innen, bei denen sich das Sehen aufgrund altersbedingter Veränderungen zunehmend eintrübt.

In der täglichen Praxis handelt es sich dabei in der Regel um zwei völlig getrennte Welten: unterschiedliche Patient:innen, unterschiedliches Alter, unterschiedliche Probleme und auch unterschiedliche Behandlungsansätze. Deshalb denken wir diese beiden Eingriffe normalerweise nicht gemeinsam.

Gerade deshalb war der Fall der Patientin, die zu einer Untersuchung in unsere Ambulanz kam, etwas Besonderes. Bei ihr lagen nämlich nicht nur zwei unterschiedliche Sehprobleme vor, sondern auch eine Frage, die wir uns nicht oft stellen: Was tun, wenn bei einer Patientin zwei Zustände zusammentreffen, die wir sonst getrennt behandeln?

Eine Patientin, zwei Probleme

Die Patientin kam mit einer sehr hohen Dioptrie zur Untersuchung. Ohne Brille war sie im Alltag stark eingeschränkt, ihr Wunsch war daher verständlich und klar: gut sehen ohne ständige Abhängigkeit von einer Brille. Bei der Untersuchung zeigte sich jedoch, dass es nicht nur ein Problem gab. Die Sehqualität war an beiden Augen eingeschränkt, allerdings aus völlig unterschiedlichen Gründen. An einem Auge lag bereits ein fortgeschrittener Grauer Star vor, der das Sehen zusätzlich eintrübte und den Kontrast reduzierte. Am anderen Auge hingegen war die natürliche Linse vollkommen klar, ohne Anzeichen altersbedingter Veränderungen die hohe Dioptrie schränkte die Sehschärfe jedoch deutlich ein.

Diese Kombination ist nicht alltäglich. Statt einer eindeutigen Ursache für das schlechte Sehen standen wir vor zwei unterschiedlichen Problemen, jedes mit eigener Logik und eigener Lösung. Genau das erforderte ein anderes Nachdenken über das weitere Vorgehen.

Wenn eine Lösung nicht ausreicht

Nach der Untersuchung war klar, dass der klassische Weg nicht die beste Wahl sein würde. Sich auf nur eine Lösung zu beschränken, hätte bedeutet, der Patientin nur teilweise zu helfen. Die Frage war nicht, ob ein Eingriff sinnvoll ist, sondern wie und wann.

Eine Möglichkeit wäre ein stufenweises Vorgehen mit zwei getrennten Eingriffen und zwei Erholungsphasen gewesen. Die andere Möglichkeit war ganzheitlicher, aber auch ungewöhnlicher: beide Probleme gleichzeitig zu behandeln.

Nach sorgfältiger Abwägung und Analyse aller Untersuchungsergebnisse habe ich für die Patientin einen individuellen Behandlungsplan erstellt. Wir entschieden uns für einen kombinierten Ansatz: an einem Auge eine SMILE-Pro-Laserbehandlung zur Korrektur der Dioptrie, am anderen Auge eine Grauer-Star-Operation mit Implantation einer Premium-Intraokularlinse. Beides am selben Tag.

Bei solchen Entscheidungen ist das Gespräch mit der Patientin entscheidend. Wichtig ist, dass sie alle Optionen, den Ablauf der Eingriffe und auch die Tatsache versteht, dass der zweite Eingriff nur durchgeführt wird, wenn der erste komplikationslos verläuft und alle Sicherheitskriterien erfüllt sind. Die Entscheidung war wohlüberlegt, gemeinsam getroffen und individuell auf die Patientin abgestimmt.

Zwei Eingriffe, ein Tag

Am Tag des Eingriffs verlief alles ruhig und planmäßig. Zunächst wurde die Laser-Dioptriekorrektur an einem Auge durchgeführt. Nach erfolgreichem Abschluss dieses Schrittes folgte die Grauer-Star-Operation am anderen Auge mit Implantation einer Premium-Intraokularlinse, die wir so auswählten, dass sie auch eine sehr gute Nahsicht ermöglicht. Obwohl zwei unterschiedliche Eingriffe durchgeführt wurden, lag der Vorteil für die Patientin klar auf der Hand: ein OP-Tag und nur eine Erholungsphase.

Wenn der ganzheitliche Blick entscheidend ist

Das Ergebnis der Behandlungen war ausgezeichnet. Das Sehen verbesserte sich deutlich, die Heilung verlief ohne Komplikationen. Schwer zu sagen, wer von uns beiden die Patientin oder ich am Ende begeisterter war.

Gerade solche Fälle sind für mich die größte Belohnung und Motivation, meinen Beruf mit so viel Engagement und Freude auszuüben. Wenn man sieht, dass man mit Erfahrung und individuellem Ansatz jemandem zu besserem Sehen, mehr Freiheit im Alltag und damit zu einer höheren Lebensqualität verhelfen konnte, bekommt die Arbeit ihren echten Sinn.

Diese Geschichte zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, das Sehen ganzheitlich zu betrachten. Beide Augen funktionieren im Zusammenspiel deshalb ist die beste Lösung nicht immer ein einzelner Eingriff. Manchmal braucht es eine durchdachte Kombination verschiedener, individuell angepasster Ansätze. Nur mit einem ganzheitlichen Blick und maßgeschneiderten Lösungen lassen sich Ergebnisse erzielen, die die Lebensqualität langfristig und spürbar verbessern.