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Ich habe einen Zylinder, kann mir eine Sehkorrektur-OP helfen?

mag. Kristina Mikek, dr. med.

mag. Kristina Mikek, dr. med.
Fachärztin für Augenheilkunde

135 min14. 04. 2026

AstigmatismusUntersuchungen

In der Ordination höre ich sehr häufig die Frage: Kann ich überhaupt eine Sehkorrektur-OP machen lassen, wenn ich einen Zylinder habe? Viele sind überzeugt, dass Astigmatismus der Grund ist, warum ein Eingriff nicht möglich ist. Dass gerade der Zylinder die Hürde ist, die sie automatisch ausschließt. In Wirklichkeit ist es eher umgekehrt. Gerade Patientinnen und Patienten mit stärker ausgeprägtem Astigmatismus bemerken nach der Korrektur am deutlichsten, wie sich neben der Sehschärfe auch die Qualität ihres Sehens verbessert.

Astigmatismus ist häufiger, als die meisten denken

Astigmatismus gehört zu den häufigsten refraktiven Fehlern. Schätzungen zufolge tritt er in unterschiedlichen Ausprägungen bei der großen Mehrheit der Erwachsenen auf. Trotzdem ist die Vorstellung davon oft unklar. Viele wissen, dass sie einen „Zylinder“ haben, wissen aber nicht genau, was das bedeutet und wie er ihr Sehen beeinflusst.

Beim Astigmatismus ist die Hornhaut nicht in allen Richtungen gleichmäßig gekrümmt. Statt schön symmetrisch zu sein, ist sie in einer Achse stärker gekrümmt als in der anderen. Das Licht wird dadurch im Auge nicht in einem einzigen Punkt gebündelt, sondern gestreut. Die Folge ist ein weniger scharfes, manchmal auch leicht verzerrtes Bild.

Das kann sich sehr unterschiedlich äußern. Manche bemerken verschwommenes Sehen, das auch mit einer Brille nicht vollständig korrigiert wird. Andere haben schnell ermüdete Augen, Schwierigkeiten beim Lesen, Kopfschmerzen nach Bildschirmarbeit oder sehen nachts schlechter. Häufig treten auch Reflexionen und Blendungen rund um Lichtquellen auf. Bei geringeren Werten gewöhnt man sich mit der Zeit oft einfach an das etwas schlechtere Sehen. Bei der Korrektur mit Brillen liegt der Fokus meist auf Kurz- oder Weitsichtigkeit, während der Astigmatismus oft etwas in den Hintergrund tritt.

Zuerst müssen wir wissen, um welche Art von Astigmatismus es sich handelt

Wenn wir beurteilen, ob eine Sehkorrektur-OP geeignet ist, ist nicht die wichtigste Frage, ob ein Astigmatismus vorliegt. Wichtiger ist, welcher Art er ist. Am häufigsten ist der regelmäßige Astigmatismus. Dabei ist die Krümmung der Hornhaut zwar in zwei Achsen unterschiedlich, diese Differenz ist jedoch symmetrisch und regelmäßig geformt. Diese Form kann die moderne refraktive Chirurgie sehr gut korrigieren. Ein regelmäßiger Astigmatismus stellt kein Hindernis dar. Er ist ein Bestandteil des refraktiven Fehlers, den wir mit der Operation beheben.

Anders ist es beim unregelmäßigen Astigmatismus. Hier ist die Form der Hornhaut nicht gleichmäßig und nicht vorhersehbar. Das Krümmungsmuster kann asymmetrisch oder krankhaft verändert sein. Das Ergebnis der Korrektur ist in solchen Fällen weniger zuverlässig. Dahinter kann auch eine Erkrankung der Hornhaut stehen, zum Beispiel ein Keratokonus, der einen ganz eigenen Behandlungsansatz erfordert.

Bei jeder Überlegung zu einer Sehkorrektur-OP ist daher die Beurteilung der Hornhaut ein zentraler Teil der Voruntersuchung. Die Hornhauttopographie, die Messung ihrer Dicke und die genaue Analyse ihrer Krümmung zeigen, ob der Astigmatismus für eine chirurgische Korrektur geeignet ist und welche Methode am sinnvollsten wäre.

Wie kann Astigmatismus korrigiert werden

Beim regelmäßigen Astigmatismus stehen mehrere Ansätze zur Verfügung. Die Wahl der Methode hängt nicht nur von der Höhe der Dioptrie ab. Wichtige Faktoren sind auch das Alter, die Form der Hornhaut, ihre Dicke, die Stabilität der Dioptrie und die Erwartungen der Patientin oder des Patienten an das Sehen. Bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit geeigneter Hornhaut ist die Laserbehandlung häufig die erste Wahl. Der Laser formt während des Eingriffs die Hornhaut so um, dass ihre ungleichmäßige Krümmung korrigiert wird. Der Astigmatismus ist dabei kein Nebenaspekt, sondern von Anfang an Teil des Behandlungsplans. Moderne Lasermethoden korrigieren Astigmatismus präzise und vorhersehbar.

Wenn die Hornhaut für eine Laserbehandlung nicht geeignet ist oder die Dioptrienwerte höher sind, kommt eine phake Intraokularlinse infrage. Diese gibt es auch in einer torischen Variante, die speziell zur Korrektur von Astigmatismus entwickelt wurde.

Ab dem vierzigsten Lebensjahr ergibt sich oft noch eine weitere Möglichkeit. Die natürliche Augenlinse verliert an Elastizität und es entsteht Altersweitsichtigkeit. Bei manchen zeigen sich auch erste Anzeichen eines Grauen Stars. In diesen Fällen denken wir über einen Linsentausch nach. Die natürliche Linse wird durch eine künstliche ersetzt. Dabei verwenden wir eine torische oder multifokale torische Linse. So korrigieren wir gleichzeitig die Dioptrie, den Astigmatismus und auch die altersbedingte Sehschwäche im Nahbereich. Bei höheren Zylinderwerten ist das oft eine sehr elegante Lösung.

Was Patientinnen und Patienten nach der Korrektur zuerst bemerken

Menschen, die viele Jahre mit Astigmatismus gelebt haben, glauben oft, genau zu wissen, was sie stört. Nach einer erfolgreichen Korrektur überrascht sie jedoch häufig etwas anderes. Nicht nur, dass das Bild schärfer ist, sondern dass das Sehen insgesamt ruhiger, klarer und weniger anstrengend ist. Viele berichten, dass das Autofahren bei Nacht nach dem Eingriff leichter fällt. Lichtreflexe sind weniger störend, Blendungen nehmen ab und das Bild wirkt stabiler. Manche bemerken zum ersten Mal auch, dass sich das Raumgefühl verändert. Als wäre das Sichtfeld weiter und weniger eingeschränkt.

Ich erinnere mich gut an eine Patientin mit hohem Astigmatismus, bei der wir zunächst ein Auge operiert haben. Bei der Kontrolle beschrieb sie ihre Erfahrung sehr anschaulich. Auf der Seite des operierten Auges hatte sie das Gefühl, dass sich das Bild erweitert hat. Auf dem anderen Auge, das noch nicht operiert war, hatte sie den Eindruck, dass etwas fehlt. Als gäbe es einen Rand, den sie vorher nicht wahrgenommen hat, weil er immer da war. Solche Beschreibungen zeigen sehr deutlich, wie stark Astigmatismus die Qualität des Sehens beeinflussen kann, auch wenn man sich dessen über Jahre hinweg gar nicht bewusst ist.

Wann ich eine Operation nicht empfehle

Natürlich gibt es auch Fälle, in denen ich eine Sehkorrektur-OP aufgrund des Astigmatismus nicht empfehle. Besonders vorsichtig bin ich bei unregelmäßigem Astigmatismus, bei asymmetrischer oder krankhaft veränderter Hornhaut, bei fortgeschrittenem trockenen Auge, bei bestimmten Netzhauterkrankungen und beim Keratokonus. In diesen Fällen ist es wichtig, zunächst den Zustand des Auges genau zu beobachten und zu verstehen und gegebenenfalls andere Ursachen für die Sehverschlechterung zu behandeln, anstatt sofort eine Korrektur der Dioptrie in Betracht zu ziehen. Bei jüngeren Patientinnen und Patienten mit Keratokonus behandeln wir daher oft zuerst die Hornhaut, zum Beispiel mit der Crosslinking-Methode. Erst danach stellt sich die Frage, wie und ob die Dioptrie überhaupt korrigiert werden kann.

Astigmatismus ist also an sich kein Hindernis. Er ist ein wichtiger Faktor, der die Qualität und Schärfe des Sehens beeinflusst, aber nicht der entscheidende Faktor dafür, ob eine Sehkorrektur-OP möglich ist. Entscheidend ist die Gesundheit der Hornhaut.

Häufige Fragen

Wird Astigmatismus durch eine Sehkorrektur-OP vollständig oder nur teilweise korrigiert?

Wie wirkt eine Kortikosteroid-Injektion beim Chalazion?

Warum ist die Voruntersuchung so wichtig?

Ist die Korrektur von Astigmatismus schmerzhaft?

Mein Astigmatismus hat sich im Laufe der Jahre verstärkt. Ist eine Operation trotzdem möglich?

Sind Gleitsichtbrillen bei hohem Astigmatismus wirklich weniger geeignet?

Was ist ein Chalazion?

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die erste Untersuchung?