Lichtreflexe, Lichthöfe und Blendung um Lichtquellen sind in den ersten Abenden nach einer Fehlsichtigkeitsoperation relativ häufig. Meist gehören sie zum erwarteten Heilungsverlauf und klingen allmählich ab. Wichtig ist jedoch zu wissen, warum sie entstehen, wie lange sie andauern können und bei welchen Anzeichen man nicht auf die reguläre Kontrolle warten sollte.
Zusammenfassung
Nachtsehen nach der Fehlsichtigkeitsoperation auf einen Blick
- Lichtreflexe, Lichthöfe und Blendung sind in der Regel in den ersten Tagen nach dem Eingriff am ausgeprägtesten.
- Nach einer Laseroperation nehmen sie oft von Woche zu Woche ab, sobald sich Hornhaut und Tränenfilm stabilisieren.
- Nach einer Operation mit einer Kunstlinse kann die Gewöhnung an die neue Optik einige Wochen bis mehrere Monate dauern.
- Bei den meisten Patienten stabilisiert sich das Nachtsehen zwischen dem dritten und sechsten Monat fast vollständig.
- Wenn sich die Sehschärfe verschlechtert oder stärkere Schmerzen bzw. eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit auftreten, ist eine frühere Kontrolle erforderlich.
Warum nach einer Fehlsichtigkeitsoperation nachts Lichtreflexe und Blendung auftreten
Die ersten Abende nach der Fehlsichtigkeitsoperation überraschen viele Patienten. Tagsüber ist die Sehschärfe scharf, doch beim Fahren in der Dunkelheit treten rund um Scheinwerfer und Straßenlaternen Lichtreflexe, Strahlen oder leichte Blendung auf. Dieser Unterschied kann unerwartet sein, da man annehmen könnte, dass ein gutes Tagsehen automatisch auch ein gutes Nachtsehen bedeutet.
Nächtliche Sehphänomene nach einer Fehlsichtigkeitsoperation haben in der Regel zwei Ursachen. Die erste ist optischer Natur und hängt mit der Art des Eingriffs zusammen. Nachts erweitert sich die Pupille, wodurch ein größerer Teil der Augenoptik am Sehvorgang beteiligt ist. Nach einer Laseroperation fällt Licht auch durch den Randbereich der Hornhaut, wo der lasergeformte Bereich in die unveränderte Oberfläche übergeht. An diesem Übergang kann sich das Licht etwas streuen. Das Auge nimmt dieses Licht als Strahl, Lichtreflex oder Lichthof um eine helle Quelle wahr.
Nach einer Operation mit einer Kunstlinse steht das Phänomen im Zusammenhang mit der Optik der eingesetzten Intraokularlinse. Bei multifokalen Linsen wird das Licht auf mehrere Brennpunkte verteilt, während Linsen mit erweitertem Fokusbereich es auf einen breiteren Fokusbereich lenken. Diese Optik ermöglicht ein gutes Sehen auf verschiedene Entfernungen, kann aber dazu führen, dass nächtliche Lichtphänomene etwas deutlicher wahrgenommen werden. Tagsüber ist die Pupille enger, sodass die Randbereiche der Optik weniger am Sehen beteiligt sind und in der Regel keine Beschwerden auftreten.
Eine weitere häufige Ursache ist ein instabiler Tränenfilm. Dieser Faktor ist vor allem nach einer Laseroperation relevant. Die Augenoberfläche stabilisiert sich in den ersten Wochen noch, und ein ungleichmäßiger Tränenfilm streut das Licht zusätzlich. Die Blendung ist daher ausgeprägter, wenn die Augen trocken oder müde sind. Die optische Ursache und ein trockenes Auge treten häufig gemeinsam auf.
Wovon es abhängt, wie ausgeprägt die nächtlichen Phänomene sind
Bei der Laseroperation wird das Ablationsmuster so geplant, dass die natürliche asphärische Krümmung der Hornhaut möglichst gut erhalten bleibt und optische Unregelmäßigkeiten begrenzt werden. Bei der SMILE-Methode erfolgt der Eingriff über eine kleine Öffnung ohne Bildung eines Hornhautlappens, doch auch bei dieser Methode lassen sich vorübergehende nächtliche Phänomene nicht völlig ausschließen. Sie können bei höheren Dioptriewerten und in den ersten Wochen nach oberflächlichen Methoden wie PRK deutlicher ausfallen.
Bei der Operation mit einer Kunstlinse ist die Wahl der geeigneten Linse entscheidend. Linsen mit mehreren Brennpunkten ermöglichen eine größere Unabhängigkeit von einer Brille, doch können Lichthöfe bei ihnen ausgeprägter sein als bei Linsen mit einem Brennpunkt. Auch eine geringe verbleibende Fehlsichtigkeit kann zu störendem Nachtsehen beitragen.
Bei beiden Eingriffsarten spielt die Neuroadaptation eine wichtige Rolle, also die Gewöhnung des Gehirns an das neue optische Bild. Mit der Zeit treten störende Wahrnehmungen zunehmend in den Hintergrund, wobei sich die Geschwindigkeit dieses Prozesses für den Einzelnen nicht genau vorhersagen lässt. Deshalb beurteile ich vor der Operation den Zustand des Auges und spreche mit dem Patienten über seine Gewohnheiten sowie darüber, was er sich von seinem Sehvermögen wünscht. So können wir die Wahl des Eingriffs bzw. der Linse auch an die Anforderungen beim Nachtfahren und andere Erwartungen anpassen.
Wie lange dauern die Probleme mit dem Nachtsehen
In den ersten Tagen nach der Operation sind die Lichtreflexe in der Regel am stärksten ausgeprägt, weshalb wir von Fahrten in der Dunkelheit abraten. Der genaue Zeitpunkt, ab dem Nachtfahren wieder sicher ist, hängt vom Eingriff und vom Heilungsverlauf ab und wird bei der Kontrolle bestätigt.
Nach einer Laseroperation verbessert sich das Sehen in der Regel in den folgenden Wochen, sobald sich Hornhaut und Tränenfilm stabilisieren. Nach oberflächlichen Methoden kann dieser Prozess etwas länger dauern. Eine Verbesserung erkennen Sie daran, dass die Lichtreflexe schwächer werden, das Fahren in der Dunkelheit weniger anstrengend ist und die Augen abends weniger müde sind.
Nach einer Operation mit einer Kunstlinse kann die Anpassung an eine multifokale Linse oder eine Linse mit erweitertem Fokusbereich einige Wochen bis mehrere Monate dauern.
Zwischen dem dritten und sechsten Monat stabilisiert sich der Zustand bei den meisten Patienten fast vollständig. Eine leichte Blendung bei sehr starken Scheinwerfern oder bei Regen kann gelegentlich noch auftreten, schränkt jedoch in der Regel nicht mehr im Alltag ein.
Wann ist wegen des Nachtsehens eine frühere Kontrolle nötig
Vorübergehende nächtliche Phänomene sind in der Regel kein Anzeichen für eine gefährliche Komplikation. Manche Veränderungen entsprechen jedoch nicht dem üblichen Heilungsverlauf und erfordern eine frühere Kontrolle.
Vereinbaren Sie früher einen Kontrolltermin, wenn:
- sich das Nachtsehen von Woche zu Woche verschlechtert statt zu verbessern;
- zur Blendung eine plötzliche Verschlechterung der Sehschärfe hinzukommt, die sich durch Blinzeln oder Ausruhen nicht bessert;
- stärkere Schmerzen oder eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit auftreten.
Bei der Kontrolle beurteile ich, ob es sich noch um eine erwartete Phase des Heilungsverlaufs handelt oder ob eine andere Ursache vorliegt, zum Beispiel eine verbleibende Fehlsichtigkeit, ein trockenes Auge oder eine Veränderung am Augenhintergrund. Vom Befund hängt ab, ob Zeit und Beobachtung ausreichen oder eine zusätzliche Behandlung erforderlich ist.
Was bei Blendung und Lichtreflexen in der Nacht hilft
Wenn die Beschwerden auch nach mehreren Monaten noch ausgeprägt sind, beurteilen wir zunächst den Tränenfilm. Ein trockenes Auge ist eine häufige Ursache für anhaltende Blendung, da eine ungleichmäßige Augenoberfläche das Licht zusätzlich streut. Hilfreich sind die regelmäßige Anwendung verschriebener Augentropfen und konservierungsmittelfreier künstlicher Tränen, ausreichende Ruhepausen für die Augen sowie das Vermeiden von Nachtfahrten, wenn die Augen müde sind.
Wenn wir eine verbleibende Fehlsichtigkeit feststellen, lässt sich diese bei einem kleineren Anteil der Patienten durch eine zusätzliche Korrektur beheben. Wichtig ist vor allem, die Entwicklungsrichtung zu beobachten: eine schrittweise Verbesserung ist zu erwarten, eine Verschlechterung erfordert jedoch eine Kontrolle. Mit einer langfristigen Nachsorge des Sehvermögens nach der Operation können wir auch Veränderungen rechtzeitig erkennen, die nicht mehr mit der anfänglichen Heilung zusammenhängen.
