Wenn wir an die Augengesundheit denken, kommen den meisten zunächst Brillen oder regelmäßige Augenuntersuchungen in den Sinn. Weniger bewusst ist vielen jedoch, wie wichtig auch das ist, was wir täglich mit unserer Ernährung zu uns nehmen. Die Augen sind ein äußerst aktives und sensibles Organ, das ständig Licht, Bildschirmen, trockener Luft und weiteren Einflüssen unserer modernen Umwelt ausgesetzt ist. Genau deshalb benötigen sie kontinuierlichen Schutz auch von innen.
Bei der Augengesundheit hebe ich stets zwei Nährstoffe besonders hervor, die oft unauffällig wirken, aber äußerst effektive Hüter unseres Sehvermögens sind. Der erste ist streng genommen kein einzelnes Vitamin, sondern zwei eng miteinander verbundene Substanzen: Lutein und Zeaxanthin. Dabei handelt es sich um natürliche Farbstoffe aus der Gruppe der Karotinoide, die in vielen Obst- und Gemüsesorten vorkommen. Besonders sind sie deshalb, weil sie die einzigen Nahrungs-Karotinoide sind, die sich direkt in der Netzhaut anreichern vor allem in der Makula, dem Bereich des Auges, der für scharfes Sehen, Lesen und das Erkennen von Gesichtern verantwortlich ist.
Lutein und Zeaxanthin wirken im Auge wie eine Art innere Sonnenbrille. Sie helfen, schädliches blaues Licht aus Sonnenlicht und digitalen Bildschirmen zu filtern, reduzieren oxidativen Stress und schützen so die empfindlichen Zellen des Auges vor vorzeitigen Schäden. Interessant ist, dass der Körper diese Stoffe nicht selbst herstellen kann wir sind vollständig auf die Zufuhr über die Ernährung angewiesen.
Zu finden sind sie vor allem in grünem Blattgemüse wie Spinat und Grünkohl, aber auch in Mais, gelber Paprika und Eigelb. Ich empfehle sie besonders Menschen mit krankhaften Veränderungen am Augenhintergrund, vor allem bei frühen Formen der Makuladegeneration. Studien zeigen eindeutig, dass ihre schützende Wirkung gerade in den Anfangsstadien der
Erkrankung am größten ist. Dennoch höre ich bei Kontrolluntersuchungen häufig, dass Patientinnen und Patienten diese Empfehlung als allgemein oder unverbindlich wahrgenommen haben. Deshalb betone ich immer wieder: Das sind keine „Vitamine für alle Fälle“, sondern Substanzen mit einem klar belegten und gezielten Nutzen für die Augengesundheit.
Der zweite Nährstoff, den man für gesunde Augen keinesfalls außer Acht lassen sollte, ist Vitamin C. Die meisten verbinden es vor allem mit dem Immunsystem, doch im Auge spielt es eine zentrale Rolle. Seine Konzentration im Augengewebe ist sogar höher als im Blut ein deutlicher Hinweis darauf, wie wichtig es für den Schutz der Augenstrukturen ist. Vitamin C schützt Linse und Hornhaut, stärkt die feinen Blutgefäße der Netzhaut und unterstützt die Kollagenbildung, die dem Auge Stabilität verleiht. Zahlreiche Studien deuten zudem darauf hin, dass es die Entwicklung des Grauen Stars verlangsamen kann.
Vitamin C ist in vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten, etwa in Zitrusfrüchten, Paprika, Beeren, Brokkoli, Kiwi und Papaya. Besonders wichtig ist es auch in der Vorbereitung auf refraktive Laserbehandlungen. In dieser Phase empfehle ich meinen Patientinnen und Patienten, etwa eine Woche vor dem Eingriff täglich 1000 mg Vitamin C einzunehmen, um die
Augenoberfläche optimal vorzubereiten und die Heilung nach dem Eingriff zu unterstützen. Augengesundheit hängt nicht nur von Genetik oder Alter ab. Ein großer Teil liegt in unserer eigenen Verantwortung und auf unserem Teller. Mit einer regelmäßigen, abwechslungsreichen und farbenfrohen Ernährung lässt sich erstaunlich viel für den langfristigen Erhalt eines klaren und hochwertigen Sehvermögens tun. Oft sind es gerade die kleinen täglichen Entscheidungen, die über Jahre hinweg den größten Unterschied machen.
